Die Rentenkommission hat 33 Vorschläge vorgestellt, um das Rentensystem zukunftsfest zu machen. Anlass sind die bekannten Probleme: immer mehr Rentner, immer weniger Beitragszahler und veränderte Arbeitsbiografien. Die Empfehlungen betreffen die Finanzierung, das Renteneintrittsalter sowie die private und betriebliche Vorsorge. Ziel ist ein stabiles System mit fairen Belastungen für die arbeitende Bevölkerung. Auch Beamte werden erwähnt, allerdings vor allem mit dem Vorschlag, die Reformen möglichst “wirkungsgleich” auf ihre Versorgung zu übertragen. Selbst einzahlen sollen sie vorerst weiterhin nicht. So bleibt wenigstens für manche alles beim Alten.

Hier ist eine kompakte Zusammenfassung der 33 Empfehlungen der “heiligen” Rentenkommission (jeweils in einem Satz), da ich es in dieser Form nirgendwo gefunfen habe:
Renteneintritt & Erwerbsleben
- Das Renteneintrittsalter soll künftig an die steigende Lebenserwartung gekoppelt werden.
- Ab 2041 soll die Regelaltersgrenze schrittweise über 67 Jahre hinaus steigen.
- Die abschlagsfreie “Rente mit 63” nach 45 Beitragsjahren soll entfallen.
- Die Frührente für langjährig Versicherte soll von 63 auf 64 Jahre angehoben werden.
- Frühere und spätere Renteneintritte sollen versicherungsmathematisch fairer bewertet werden.
- Für Menschen mit besonders belastenden Erwerbsbiografien soll es Härtefallregelungen geben.
- Erwerbsminderungsrenten sollen leichter zugänglich werden.
- Arbeiten im Rentenalter soll attraktiver werden.
Rentenniveau & Finanzierung
- Das Rentenniveau soll langfristig mindestens 48% betragen.
- Langfristig wird ein Zielwert von etwa 50% angestrebt.
- Die Finanzierung soll generationengerechter ausgestaltet werden.
- Rentenbeiträge werden langfristig steigen müssen.
- Der Nachhaltigkeitsfaktor soll wieder stärker berücksichtigt werden.
- Steuerzuschüsse bleiben ein wichtiger Bestandteil der Finanzierung.
- Übergangsmechanismen sollen Nachteile während der Reformphase verhindern.
Kapitalgedeckte Zusatzrente
- Eine verpflichtende Kapitalrente nach schwedischem Vorbild soll eingeführt werden.
- Arbeitgeber und Arbeitnehmer sollen die Beiträge jeweils zur Hälfte finanzieren.
- Der Beitrag zur Kapitalrente soll schrittweise erhöht werden.
- Für jede Person soll ein individuelles Kapitalkonto geführt werden.
- Die Gelder sollen breit gestreut am Kapitalmarkt investiert werden.
- Die Kapitalrente soll langfristig höhere Altersbezüge ermöglichen.
- Ein staatlicher Fonds soll die Anlage organisieren.
- Während der Aufbauphase soll ein staatlicher Ausgleichsmechanismus wirken.
Erweiterung des Versichertenkreises
- Selbstständige sollen grundsätzlich rentenversicherungspflichtig werden.
- Bundestagsabgeordnete sollen in die gesetzliche Rentenversicherung einbezogen werden.
- Landtagsabgeordnete sollen ebenfalls einbezogen werden.
- Vorstände von Aktiengesellschaften sollen rentenversicherungspflichtig werden.
- Beamte sollen vorerst nicht in die gesetzliche Rentenversicherung integriert werden.
- Reformen der Rentenversicherung sollen möglichst wirkungsgleich auf die Beamtenversorgung übertragen werden.
Altersvorsorge insgesamt
- Gesetzliche, betriebliche und private Vorsorge sollen besser zusammenspielen.
- Die betriebliche Altersvorsorge soll weiter gestärkt werden.
- Die private Altersvorsorge soll ausgebaut und vereinfacht werden.
- Als langfristiges Ziel soll die gesamte Altersvorsorge rund 70 % des letzten Nettoeinkommens absichern.
Als Antwort darauf z.B. befürwortet der GDV mehr Kapitalmarktfinanzierung der Altersvorsorge, warnt aber davor, Kapitaldeckung überwiegend in staatlichen Strukturen zu bündeln, und fordert stattdessen eine stärkere betriebliche und private Vorsorge im Rahmen eines angeblich ausgewogenen Drei-Säulen-Systems.
Was aus meiner Sicht bedeutet, dass wir mehr Rentenabgaben haben werden.
Bei 3.000 € brutto wären das ungefähr 50-80 € mehr pro Monat für den Arbeitnehmer (und noch einmal derselbe Betrag für den Arbeitgeber).
Pi mal Daumen: gar nicht sofort dramatisch mehr, aber langfristig spürbar.
Die eigentliche Frage ist aber, ob diese Mehrbeiträge später tatsächlich zu deutlich bemerkbar höheren Renten führen oder vor allem dazu dienen, die Finanzierungslücke (wieder) zu schließen. Das ist auch der politische Streitpunkt hinter vielen der 33 Vorschläge.