Die Geschichten der Parteien

Ich habe mich immer gefragt, wie die heutigen deutschen Parteien entstanden sind, welche historischen Wurzeln sie haben und welche Rolle ihre Vorläufer im Zweiten Weltkrieg sowie später in der DDR gespielt haben. Dabei interessiert mich besonders, wie sich politische Strömungen, Organisationen und Ideologien im Laufe der Zeit verändert haben und welche Kontinuitäten oder Brüche es zwischen der Zeit des Nationalsozialismus, der Nachkriegsordnung und dem politischen System der DDR gab.

Die Linke entstand 2007 durch den Zusammenschluss der WASG und der PDS. Die PDS war die Nachfolgepartei der SED, die in der DDR die Staatspartei gewesen war, während die WASG 2004 als Protestbewegung gegen die Arbeitsmarkt- und Sozialreformen der rot-grünen Bundesregierung gegründet wurde. Damit vereinte DIE LINKE unterschiedliche politische Traditionen: einerseits die ostdeutsche Nachfolge der SED, andererseits westdeutsche sozialpolitische Protestbewegungen. Aufgrund dieser Herkunft wird die Partei häufig mit sozialistischen Positionen in Verbindung gebracht. Kritiker verweisen dabei insbesondere auf die historische Verbindung eines Teils ihrer Vorgängerorganisationen zur SED und zur politischen Geschichte der DDR.

Die CDU ist die Neubildung der Zentrumspartei nach dem 2. WK und gilt damit offiziell als deren Nachfolger. Sie knüpft an die Tradition einer Partei an, die vor dem Krieg eine wichtige Rolle in der deutschen Politik spielte und die über viele Jahre hinweg als wichtige Kraft im parlamentarischen System wirkte. Gleichzeitig war sie maßgeblich an den politischen Entwicklungen beteiligt, die in der Weimarer Republik stattfanden und schließlich der NSDAP den Weg zur Macht ebneten. Damit steht die CDU in einer historischen Kontinuität, die sowohl an frühere politische Strukturen anknüpft als auch die Brüche und Folgen der deutschen Geschichte nach 1945 sichtbar macht.

Die SPD wurde 1863 gegründet und ist damit die älteste noch bestehende Partei Deutschlands. Sie entstand aus der Arbeiterbewegung des 19. Jahrhunderts und vertrat ursprünglich sozialistische und marxistische Positionen. Im Laufe ihrer Geschichte wandelte sie sich zu einer sozialdemokratischen Volkspartei und verabschiedete sich mit dem Godesberger Programm 1959 weitgehend vom Marxismus. Kritiker werfen der SPD vor, viele ihrer ursprünglichen sozialen Ideale zugunsten pragmatischer Regierungsbeteiligung aufgegeben zu haben. Besonders die Agenda-2010-Reformen und Hartz-Gesetze gelten für viele ehemalige Anhänger als Symbol dafür, dass die Partei soziale Sicherheiten abgebaut und damit zur wachsenden Ungleichheit in Deutschland beigetragen habe.

Bündnis 90/Die Grünen entstand 1993 aus der Vereinigung der westdeutschen Grünen mit dem ostdeutschen Bündnis 90. Die Partei ging aus Umwelt-, Friedens- und Protestbewegungen der 1970er und 1980er Jahre hervor und verstand sich ursprünglich als Gegenentwurf zu den etablierten Parteien. Kritiker sehen in ihr heute eine Partei, die sich weit von ihren basisdemokratischen Wurzeln entfernt habe und zunehmend auf staatliche Regulierung und moralische Politik setze. Ihr wird vorgeworfen, gesellschaftliche Veränderungen häufig stärker über Verbote und Vorgaben als über breite Zustimmung erreichen zu wollen, wodurch sie insbesondere in ländlichen Regionen und Teilen der Arbeiterschaft auf Widerstand stößt.

Die FDP wurde 1948 gegründet und vereinte verschiedene liberale Strömungen der Nachkriegszeit. Sie verstand sich als Partei der individuellen Freiheit, des Rechtsstaats und der sozialen Marktwirtschaft. Über Jahrzehnte war sie häufig als kleiner Koalitionspartner an Bundesregierungen beteiligt und prägte damit zahlreiche politische Entscheidungen mit. Kritiker werfen der FDP vor, wirtschaftliche Freiheit oft stärker zu gewichten als soziale Gerechtigkeit und die Interessen von Unternehmen sowie wirtschaftlich starken Gruppen über die Anliegen breiter Bevölkerungsschichten zu stellen. Dadurch entstand immer wieder das Image einer Partei für Besserverdienende und wirtschaftliche Eliten.

Die AfD wurde 2013 zunächst als eurokritische Partei gegründet und wandte sich gegen die europäische Rettungspolitik während der Eurokrise. In den folgenden Jahren verlagerte sie ihren Schwerpunkt zunehmend auf Migration, nationale Identität und Kritik an etablierten politischen Institutionen. Kritiker sehen in ihr eine Partei, die politische und gesellschaftliche Konflikte bewusst zuspitzt und teilweise Positionen vertritt, die zuvor vor allem am rechten Rand des politischen Spektrums zu finden waren. Mehrere Landesverbände und Parteigliederungen standen oder stehen unter Beobachtung durch Verfassungsschutzbehörden, was die Debatte über die demokratische Verortung der Partei zusätzlich verschärft.

Das Bündnis Sahra Wagenknecht wurde 2024 von ehemaligen Mitgliedern der Linkspartei gegründet. Die Partei verbindet sozialstaatliche und wirtschaftlich interventionistische Forderungen mit einer migrationskritischen Haltung und einer skeptischen Position gegenüber Teilen der europäischen Integration. Kritiker sehen darin einen Versuch, Wähler aus sehr unterschiedlichen politischen Lagern gleichzeitig anzusprechen, ohne viele der dabei entstehenden Widersprüche aufzulösen. Ihr wird vorgeworfen, komplexe gesellschaftliche Probleme häufig auf wenige zugespitzte Konflikte zu reduzieren und damit von allgemeiner Unzufriedenheit mit den etablierten Parteien zu profitieren.


All das beruhte auf meiner Recherche und auf den Informationen, die mir dabei zugänglich waren; es kann natürlich sein, dass ich die eine oder andere Partei etwas schief oder unvollständig dargestellt habe, weil jede Darstellung auch immer von der meinen, eigenen Perspektive geprägt ist. Dennoch bin ich der Meinung, dass der Kern meiner Einschätzung zutrifft und dass die wesentlichen Zusammenhänge so wiedergegeben wurden, wie sie sich mir nach sorgfältiger Prüfung dargestellt haben.

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